Langjähriger Costa Rica Auswanderer berichtet [Interview]

Auswandern in ein fremdes Land, in welchem du dich der hiesigen Mentalität sowie der Gepflogenheiten und Rahmenbedingungen anpassen musst, ist eine Herausforderung.

Vielfach gelingt diese nicht und Statistiken belegen, dass innerhalb eines Jahres eine Vielzahl der Neu-Auswanderer nach Hause zurückkehren (müssen). Es handelt sich um verschiedenste Gründe; Geldprobleme, Planungsfehler, unerwartete Probleme, die den Aufenthalt verunmöglichen oder auch der Kulturschock

Heute hat uns ein langjähriger Auswanderer Rede und Antwort gestanden. Roland Hunziker, ein Schweizer, der in Costa Rica – man kann fast sagen – hängen geblieben ist. Im positiven Sinne natürlich!

Persönliches

Hallo Roland, alles klar? Erzähle uns doch kurz ein bisschen zu deiner Person.

Mir geht’s gut, danke. Hoffe dir auch!

Gerne. Ich bin 1961 in der Schweiz geboren und habe dort neben Schul- auch viele meiner Berufsjahre verbracht. Zwischen Anstellungen im Verkauf (Stv. Verkaufsleiter MM und später Publicitas) ging ich immer wieder gerne auf Reisen. So war es dann auch, dass ich mir eine Auszeit nahm, um mir einen Traum zu erfüllen und von 1989 bis 1990 Süd- und Zentralamerika längs und quer zu bereisen. Nicht nur kam ich dabei in den Genuss der unglaublichen Schönheiten dieser Länder, so hat es mir doch auch die guten Kenntnisse der Spanischen Sprache eingebracht.

Eines der Reiseziele war irgendwann auch Costa Rica und so kam es, dass ich am 21. Juni 1990 in San José weilte, um mit Freunden meinem heissgeliebten Hobby zu frönen: Fussball. An diesem Abend war gemeinsames Fiebern vor dem TV angesagt, denn Costa Rica spielte gegen Schweden. Und da habe ich ihn dann kennengelernt, den Grund meiner Auswanderung nach Costa Rica: meine spätere Frau Lorna!

 

Es hört sich somit an, als ob dich Costa Rica und seine Schönheiten absolut gefesselt und gepackt haben. Ich persönlich kann dies nur nachvollziehen.

Eine Auswanderung mit…

Aber erzähl mal, wie ging das dann nach dem Kennenlernen weiter?

Nach meiner Rückkehr in die Schweiz im Anschluss an die jährige Reise, fing ich wieder zu Arbeiten an. Zu jenem Zeitpunkt ging es noch fast 6 Jahre bis zur Auswanderung. Lorna, meine Frau, kam nach dem Studium in Costa Rica in die Schweiz, wo wir dann 6 Monate später geheiratet haben und insgesammt fast 4 Jahre zusammen lebten.

 

Spannende Geschichte! Wie hast du vom Heimkehren bis zur Auswanderung geplant?

Im Januar 1996 lernte ich jemanden kennen, der in Costa Rica eine Immobilien-Agentur führte und jemanden suchte, der permanent in Costa Rica lebte sowie das Büro leitete. Nach vielen Sitzungen habe ich mich entschlossen dies zu versuchen und wir sind dann im Juni 1996 ausgewandert.

Die Auswanderung

Was hast du aus der Schweiz mitgebracht, als ihr ausgewandert seid?

Wir sind „light“ ausgewandert. Dies heisst mit nur ein paar Koffern mit Kleidern usw. Damals konnte man noch 2 Koffer à 32kg pro Person mitbringen. Familie und Freunde brachten dann auf den Besuchen jeweils ebenfalls noch ein paar Sachen aus der Schweiz mit.

Wer etwas mehr in die neue Heimat mitnehmen möchte, der findet hier einige Inputs.

 

Wie war der Anfang im Land, die Auswanderung als solches?

Da ich die Sprache aufgrund meiner Reise bereits sehr gut beherrschte und meine Tica Familie hatte, war es für mich eigentlich nicht schwierig mich anzuklimatisieren und zurecht zu kommen. Das schwierige damals war ohne Internet, Google usw. die Behördengänge zu bewerkstelligen. Denn niemand wusste so richtig, was wo gemacht werden musste. Aber irgendwie ging schlussendlich alles.

Angekommen…

Wie lebst du in Costa Rica?

Ich lebe in Lourdes Montes de Oca (Anm. Tropenwanderer: dies liegt etwas östlich des Stadtzentrums von San José, nahe San Pedro) mit meiner Frau sowie meinem Sohn in einem Condominium, in einer sehr ruhigen und sicheren Wohngegend, die trotzdem zentral gelegen ist.

 

Hast du immer schon hier gewohnt oder gab es vorher andere Wohnsituationen?

Das erste Jahr haben wir zur Miete in Sabanilla gewohnt und nach einem Jahr kauften wir uns die Wohnung in Lourdes-San Pedro, wo wir nun seit gut 19 Jahren leben.

 

Wie oft besuchst du die Schweiz?

Normalerweise einmal im Jahr. Ich besuche vor allem meine Eltern, Geschwister und Kollegen. Ebenso nutze ich die Gelegenheit, um einige Kundenbesuche zu erledigen.

 

Was vermisst du aus der Schweiz?

Aus der Schweiz vermisse ich eigentlich, ausser den langen Sommerabenden, nichts oder nicht viel. Natürlich ist es immer wieder schön eine gute Cervelat, Bratwurst, Schokolade oder eine Aromat Kräutermischung zu erhalten. Was ich nicht vermisse sind die Kälte, den kalten Regen, Nebel etc. …

Lebensunterhalt

Was machst du, um deinen Lebensunterhalt zu verdienen?

Ich bin ein bisschen „Mädchen“, oder besser gesagt Bube, für Auswanderer – mit einem sehr umfangreichen Service. Hauptgeschäft ist die Immobilienvermittlung, weiteres sind jedoch Hilfe bei der Aufenthaltsbewilligung, dem Autokauf, etc. …

 

Wie war dies zu Beginn?

Nicht ganz einfach, denn man muss sich den Gegebenheiten des Landes, der Mentalität der Ticos, der Kunden, etc. anpassen. Da ich aber ein sehr offener und hilfsbereiter Mensch bin, der gerne den Auswanderern hilft ihren Anfang und ihr Leben zu vereinfachen, sowie mit Tipps und Hinweisen zu helfen, komme ich eigentlich mit allen und allem sehr gut zurecht.

 

Wo siehst du dich in 10 Jahren?

In Costa Rica. Und ich hoffe das Leben zu geniessen, meine Reiseträume mit der Familie erfüllen und weiteren Auswanderern bei der Einwanderung sowie der Eingliederung behilflich sein zu können.

 

Was machst du hier anders resp. würdest du in der Schweiz nicht tun?

Hier bin ich selbstständig, was in der Schweiz fast unmöglich gewesen wäre. In der Schweiz ist man mehr eine „Nummer“ als ein Mensch, ähnlich wie ein Roboter. Es wird immer mehr verlangt, aber das Menschliche und der Familienbund kommt immer kürzer. In Costa Rica gibt es auch viel zu Ändern. Dinge, wie die Infrastruktur, vor allem Autobahnen in und um San José, den Zug durch eine Metro ersetzten, die Natur weiter schützen und das Gesundheitswesen besser und straffer organisieren.

 

Ich selbst nutze den Zug, denkst du wirklich, dass dieser irgendwann durch eine Metro ersetzt wird?

Ich hoffe es doch sehr, dass der Staat nun endlich etwas unternimmt. Denn der Zug hier in Costa Rica ist eine Schande. Die Schweizer Botschafterin hat dem Staat viele Türen und Möglichkeiten zu Schweizer Unternehmen geöffnet, die Hilfe zur Realisierung eines modernen Zuges ermöglichen könnten.

Metro glaube ich (leider) nicht, da dies für Costa Rica viel zu teuer wäre. Aber wenigstens eine Elektro-Bahn, die nicht jeden Tag entgleist und die stinkenden sowie lauten Diesel-Locks ersetzt, wäre schon ein grosser Erfolg.

 

Wie oft bist du am Strand?

Durch meinen Job als Makler oft, sicherlich einmal pro Monat. Mit der Familie 2 bis 3 Mal im Jahr und wenn es geht einmal im Ausland am Meer. Früher, als ich noch Bike-Touren begleitete, war es noch viel mehr und kreuz und quer durch das Land.

 

Was denkst du muss man hier in Costa Rica gesehen haben, wenn man mal hier ist?

Ohhhh, da gibt es Unmengen an Sachen die man eigentlich sehen sollte, oder sehenswürdig sind. Da sind die verschiedenen Regionen mit den diversen Klimazonen, der Atlantik, sowie Pazifik, die Berge, Vulkane, Urwälder, Nationalparks, Traum-Strände, um es kurz zu fassen. Es gibt für alle und jeden etwas in diesem kleinen, aber wunderschönen Land zu Sehen und Erleben.

 

Weitere Hinweise zum Reisen durch Costa Rica findest du hier.

 

Hast du einen heissen Tipp für Neuauswanderer, bevor sie hierherkommen?

Das wichtigste, was Neuauswanderer machen sollten, ist Land und Leute sowie verschiedenen Regionen mit den eigenen Klimazonen kennen zu lernen. Hat man dies einmal gemacht, so fällt die Entscheidung wo man sich niederlassen möchte, viel einfacher und man trifft meistens die richtige Wahl. Sehr wichtig, vor allem am Anfang, ist es ein paar vertrauenswürdige Leute in Costa Rica kennen zu lernen, die Tipps und Hinweise geben können, um alles zu vereinfachen und Leerläufe zu verhindern. Vor einem Kauf einer Immobilie sollte eine seriöse Beratung durch einen Makler oder einen Anwalt in Betracht gezogen werden.

Roland Hunziker

Seine Website: http://www.costa-rica-immo.com/

 

Bist auch du bereits lange hier in Costa Rica beheimatet und hast Anmerkungen? Oder hättest du gerne mehr über ein bestimmtes Thema erfahren? Melde dich bei uns, in den Kommentaren hast du die Möglichkeit.

Pura vida!

 

Titelbild: AlfonsoLara70

 

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Marc Tschallener

Meine Frau und ich wohnen seit Dezember 2014 in der Stadt Cartago im Zentraltal Costa Ricas. Was für meine Frau eine Rückkehr in ihr Heimatland, ist für mich eine Auswanderung aus der Schweiz nach Zentralamerika. Hier arbeite ich im Tourismus-Bereich, in einer erfolgreichen Destination Management-Agentur.

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